Wander-Nagelkreuz an Ev. Kirchengemeinde Attendorn-Lennestadt übergeben

Wander-Nagelkreuz an Ev. Kirchengemeinde Attendorn-Lennestadt übergeben

Wander-Nagelkreuz an Ev. Kirchengemeinde Attendorn-Lennestadt übergeben

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Wander-Nagelkreuz an Ev. Kirchengemeinde Attendorn-Lennestadt übergeben

von KARL-HERMANN ERNST

 Attendorn. Dieses Wochenende stand in der Hansestadt unter dem Thema „Erinnerung ist das Geheimnis der Versöhnung“.

Zunächst erinnerte Bürgermeister Christian Pospischil bei der Gedenkfeier am Samstag an die Bombardierung Attendorns am 28. März 1945, dem Mittwoch in der Karwoche, mit ihren schrecklichen Auswirkungen. Von einem auf den anderen Tag war plötzlich die Kriegsfront mitten im Kreis Olpe. 72 mittelschwere Bomber der Royal Air Force hatten den Befehl erhalten, die Eisenbahnverbindung zwischen Olpe und Attendorn zu zerstören. Da sie Olpe unter einer dicken Wolkendecke nicht sehen konnten, entschlossen sich 22 Flugzeugpiloten für das Ausweichziel Attendorn.  Drei Bombenteppiche, wobei 132 Fünf-Zentner-Bomben abgeworfen wurden, zerstörten zwischen 10.59 Uhr und 11.04 Uhr weite Teile der Stadt und nahmen neben der Zerstörung auch 200 Menschen das Leben, so der Bürgermeister.

Er erinnerte aber auch auf die heutigen Kriege in der Ukraine und Nahost und ihre Auswirkungen auf alle und äußerte den Wunsch, dass diese schnell beendet würden und anschließend eine Versöhnung zu einem gemeinsamen Miteinander kommen möge. „Das Gedenken an diesen 28. März 1945 erinnert uns daran, welches Leid Krieg und Gewalt auch über unsere eigene Stadt gebracht hat. Es ist zugleich Mahnung und Auftrag, uns gemeinsam für Frieden, Demokratie und ein respektvolles Miteinander einzusetzen“ , so der Bürgermeister.

Nach der Niederlegung eines Blumengesteckes in den Farben der Stadt (rot – weiß) lud er alle Anwesenden zum nachfolgenden „Ökumenischen Friedensgebet am Brunnen“ ein. Eine Einladung, die trotz des Regens viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Gedenkstunde wahrnahmen.

Prädikant Wolfgang Dröpper, hatte das Wander-Nagelkreuz von Coventry, das am nächsten Tag (Palmsonntag) der evangelischen Kirchengemeinde Attendorn-Lennestadt offiziell übergeben werden sollte, schon einmal mitgebracht. Er erläuterte kurz die Entstehung und Geschichte dieses Kreuzes  und lud die anwesenden dazu ein, sich gemeinsam der Aufgabe zu stellen, Gegensätze zu überbrücken, Brücken zu bauen und nach neuen Wegen in eine gemeinsame, friedliche Zukunft zu suchen – ohne Hass und Gewalt.

Das Friedensgebet schloss mit dem gemeinsamen Versöhnungsgebet von Coventry, das er zusammen mit Bürgermeister Pospischil vorsprach.

Im Gottesdienst in der Erlöserkirche von Attendorn war es dann soweit: das Wander-Nagelkreuz wechselte offiziell für zwei Jahre seinen Besitzer. Die Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg, Iris Jänicke, übergab das schlichte aus Zimmermannsnägeln gefertigte Kreuz an Prädikant Wolfgang Dröpper als Vertreter der Kirchengemeinde.

Zuvor hatten die Beauftragten des Kirchenkreises für die Nagelkreuzarbeit, Britta Däumer und Stefan Schick, die Gemeinde über die Geschichte des Kreuzes informiert. So sei in der Nacht vom 14. auf den 15. November 1940 durch einen deutschen Bombenangriff die gesamte Innenstadt und auch die Kathedrale von Coventry in Mittelengland zerstört. Der damalige Dompropst habe am darauffolgenden Tag die Worte „Father forgive“ (Vater vergib) in den Chorwand der Ruine einmeißeln lassen, als erstes Zeichen der Versöhnung.

Mit drei Zimmermannsnägeln habe er ein Kreuz zusammengefügt und es auf den Altar gelegt. Doch es fand sich zunächst keine Mehrheit für eine Versöhnung, wie die Bombardierung deutscher Städte bis zum Ende des zweiten Weltkrieges zeigte.

Erst nach Ende des Kriegs habe die Versöhnungsarbeit begonnen.

Diese Arbeit, die zunächst nur zwischen den beiden verfeindeten Kriegsgegnern begann, sei heute in aller Welt bekannt. Es gründeten sich inzwischen mehr als 300 Zentren weltweit, wobei allein in Deutschland 76 Zentren bestehen. Sie alle hätten sich zur Aufgabe gemacht, Wunden der Geschichte zu heilen, Unterschiede zu leben und Vielfalt zu feiern und eine Kultur des Friedens zu schaffen.

Nachdem bereits 1996 die evangelische Kirchengemeinde  Herscheid das Nagelkreuz erhalten hatte, wurde 2021 bei der Kathedrale von Coventry ein weiteres Kreuz beantragt, das seitdem durch den Kirchenkreis wandert.

Im September 2021 erhielt die Kreuzkirche Lüdenscheid erstmals das Wanderkreuz für ihre Arbeit, um soziale Unterschiede zu überbrücken und zur Versöhnung in Gemeinde, Stadt und der Gesellschaft einzuladen.

Als nächste Einrichtung habe das Diakonische Werk im Kirchenkreis das Wanderkreuz aus allen offensichtlichen Gründen in Besitz bekommen, da auch hier eine verlässliche Versöhnungsarbeit geleistet werde.

Dass nunmehr die evangelische Kirchengemeinde für die nächsten zwei Jahre das Wanderkreuz in Besitz habe, solle auch als Motivation und Auftrag dienen, sich weiterhin für die Schwächsten in unserer Gesellschaft einzusetzen.

In seiner Predigt über Texte aus dem 2. Korintherbrief des Apostels Paulus ging Wolfgang Dröpper noch einmal auf die Historie des Nagelkreuzes ein. Dabei verdeutlichte er den Begriff „Versöhnung“, der im griechischen „austauschen“ bedeute. Versöhnung sei also ein Tauschgeschäft. Feindschaft werde ausgetauscht zu Freundschaft, Zorn gegen Liebe, Krieg gegen Frieden. Unversöhnt zu bleiben hieße entsprechend an Feindschaft, Zorn und Krieg festzuhalten.

Die Christen seien Mitarbeiter Gottes und sollten Gottes Versöhnungsarbeit in dieser Welt ausbreiten. Als Vorbild für die Ausbreitung könne  Richard Howard sein, der damalige Dompropst an der Kathedrale von Coventry. Für ihn hätten die Worte „Vater vergib“ die Verpflichtung bedeutet, dem Feind nach Kriegsende die Hand zu reichen.

Er schloss seine Predigt mit den Worten: „Ich freue mich und bin dankbar dafür, dass wir jetzt für einige Zeit dieses Kreuz und damit untrennbar verbunden seine Botschaft in unserer Gemeinde haben. Möge es und Mahnung und Antrieb sein und bleiben, uns für Frieden und Versöhnung einzusetzen.“


Die Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes, Iris Jänicke, übergab das Wander-Nagelkreuz an Prädikant Wolfgang Dröpper als Vertreter der Gemeinde


Prädikant Wolfgang Dröpper (links) und Bürgermeister Christian Pospischil beim Verlesen der Versöhnungslitanei von Coventry


Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger nahmen im Anschluss an die Gedenkstunde anlässlich des Bombenangriffes auf Attendorn am Friedensgebet teil

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